1200 Kilometer für die Persönlichkeit

by Silvia Meerbothe

Wie weit reist man, wenn der Schmerz groß genug ist?

Vermutlich bis ans Ende der Welt. Es ist sehr früh, an diesem Freitag Morgen. Genau genommen drei Uhr dreißig, als ich mich mit meinem alten Mercedes aufmache, Richtung Deggendorf. Ich bin müde, konnte vor Aufregung kaum schlafen. Zweieinhalb Stunden, mehr ging nicht. Jetzt liegen sechs Stunden Fahrt vor mir. Sechshundert Kilometer. Wozu? Ich fahre zu einem Life Refraiming.

Stau frei schaffe ich es nach Deggendorf. Genau genommen, geht es noch in die Berg Idylle oberhalb der Stadt. „Besus“ erwartet mich auf seiner Terrasse. Die Sonne scheint. Mein Thema hat er vor zwei Wochen via Skype raus gearbeitet. Das war bereits sehr emotional. Das Coaching beginnt schon auf der Terrasse. Er erzählt, wie Menschen funktionieren und springt in den Themen hin und her. Das verwirrt mich, schafft Raum, für Suggestionen, die er in dem Durcheinander in mein Unterbewusstsein pflanzt. Ich friere.

Das Leben bestätigt uns immer wieder in unserem Gefühl

Wir wechseln in den Coaching Raum, wo der Hauptteil der Session stattfindet. Es geht darum, das Gefühl, dass, wie mir scheint, seit Anbeginn der Zeit mein Leben bestimmt, zu neutralisieren. Warum? Weil das Leben uns in unserem Gefühl immer wieder bestätigt. Das ist schön, solange es sich um positive Gefühle handelt. Aber wer will schon, so wie ich, immer wieder verzweifeln?

Weite – Erleichterung – Atmen

Es geht los. Per Kinesiologie Test findet er heraus, ob Verzweiflung mein Thema ist. Bingo! Und fündig werden wir früh. Im ersten Lebensjahr schon. Ob mir dazu was einfällt. Ja, mir fällt etwas ein. Und jetzt beginnt die wilde Fahrt. Mit Hilfe einer speziellen Technik, kocht das Gefühl erst hoch. Dann, mit einem tiefen Seufzer, entspanne ich mich. Ich kann fühlen, dass sich was verändert hat. So verfahren wir, meine ganze Lebenslinie entlang, Jahr für Jahr. Ich durchlebe Verzweiflung, Wut, ja sogar Hass. Und immer wieder folgt dem Hochkochen, das Seufzen, das Entspannen. Das Loslassen.

Wenn Energie fließen kann

Irgendwo in meiner Lebensmitte angekommen schmeiße ich meinen Schal von mir. Hatte ich vorhin noch gefroren, ist mir jetzt total heiß. Ich fühle förmlich, wie die Energie, die Jahre lang gestaut war, endlich fließen kann. Und noch etwas fällt auf. Nicht nur mir, auch „Besus“: Mein Lachen (ja, wir haben trotz des Themas was zu lachen), kommt jetzt aus dem Herzen und aus dem Bauch. Ich fühle, wie viel echter es jetzt ist.

Aus dem Dornröschen Schlaf erwacht

Nach vier Stunden sind wir durch. Noch ein Kaffee auf der Terrasse, in der Sonne. Jetzt erst erfasse ich die Schönheit dieses Ortes. Stille, Wiesen und eine fantastische Aussicht. Ich fahre zu meiner Pension, auf dem Nachbarberg, beziehe mein Zimmer. Mein Blick streift den Spiegel und ich schaue genauer hin. Meine Augen. Ich kann tiefer hinein sehen. Es ist, als wäre ich zur Star-Operation gewesen und ein Schleier wäre weg. Lange stehe ich da und kann den Blick nicht abwenden. Ich setze mich auf den Balkon. Die Welt erscheint mir jetzt intensiver. Mit mehr Kontrast und mehr Farbe. Als wäre ich aus einem tiefen, düsteren Traum erwacht. Nachts schlafe ich, tief, wie ein Murmeltier.

Unbelastete Rückreise

Morgens geht es zurück, ins Rheinland. Ausgeschlafen und frei bringe ich die sechshundert Kilometer hinter mich. Ich fühle mich Erleichtert, befreit, glücklich.

Was ist anders

Tatsächlich verzweifle ich nicht mehr. Es gab inzwischen ein paar Situationen, von denen ich aus der Vergangenheit weiß, dass sie mich früher in tiefe Verzweiflung gestürzt hätten. So, als wollte mir das Leben jetzt Referenz Erlebnisse schicken, damit ich den Beweis habe, dass das Coaching Früchte trägt.

Das Leben dreht sich

Dazu kommt, dass mein Leben sich total dreht. Auf einmal arbeite ich in einem Beruf, der mir wirklich Erfüllung bringt, weil ich tun kann, was ich liebe. Das beinhaltet auch, dieses Blog zu schreiben. Und noch viele, viele andere wunderbare Dinge beginnen sich zu verändern. Ich bin glücklich und mein Leben wird jeden Tag mehr zu dem Leben, das ich mir immer gewünscht habe.

Lohnt sich so ein langer Weg?

Gemessen an der Zeit, die ich damit zugebracht habe, zu leiden, waren die 1200 Kilometer ein Klacks. Ich wäre auch noch weiter gefahren. Und ich bin noch längst nicht am Ende meiner Persönlichkeitsentwicklung. Ich nehme jetzt richtig Fahrt auf.

Wie kam ich dazu?

Der erste Schritt waren Seminare. Speziell der DAY OF CHANGE, den ich immer noch regelmäßig besuche. Und den ich jedem Menschen ans Herz lege , der lernen will, das Leben wirklich zu lieben.

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Comments

  • Stefanie
    Mai 4, 2018

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    • Silvia Meerbothe
      Mai 8, 2018

      Vielen Dank, meine Liebe!

  • Mai 7, 2018

    So schön geschrieben liebe Silvia! Ich hatte „nur“ 600km und die haben sich auch 10mal gelohnt! oder 100mal! 🙂

    • Silvia Meerbothe
      Mai 8, 2018

      Vielen Dank, liebe Denise!
      Ja, jeder Kilometer ist es wert 🙂

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