Buchvorstellung: „ Stille “ – Andrea Grillenberger

by Britta Wisniewski
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„ Stille “ – „Als das SEK unsere Wohnung stürmte und ich zu mir selbst fand …“

Ich möchte Euch heute einladen, einmal eine kleine gedankliche Reise mit mir zu machen.
Stellt Euch vor, ihr lebt ein ganz normales Leben. Ihr seid glücklich, mit Eurer Wohnung, Eurem Beruf, Eurer Partnerschaft. Alles in Eurem Leben ist stimmig und fühlt sich gut an. Keine Sekunde zweifelt ihr daran, dass das immer so weitergehen wird … und auf einmal ist alles anders.
Das SEK stürmt Eure Wohnung, krempelt bei der Suche nach Waffen das Unterste zuoberst. Euer Partner wird verhaftet und von jetzt auf gleich ist nichts mehr, wie es vor fünf Minuten noch war.

Andrea Grillenberger, Künstlerin und Autorin des Buches „ Stille “ ist durch eben diese Hölle gegangen.

Und schilderte auf ihrer kurzen Buchlesung im Rahmen des „Day of Change“ am 17.06.18 in Hennef eindrucksvoll, dass das Leben danach weitergehen kann.

Sie begann, das Geschehene als ein „Geschenk“ zu sehen. Auf der Suche nach sich selbst fand sie auch zum Life Coaching Center – und wurde Schülerin der Seminarreihe „Day of Change“. Wir durften eine Frau kennen lernen, die in sich ruht, die zu sich gefunden hat und die ein erfülltes Leben mit Hund und Mann in einem „Haus auf Rädern“ führt. Einen Menschen, an dem wir uns ein Beispiel nehmen können, wenn es darum geht, Lebensdramen und Traumen zu verarbeiten und zum eigenen Wachstum zu nutzen.

Ich habe sie um eine Leseprobe aus ihrem Buch gebeten und möchte Euch diese heute hier vorstellen, weil ich glaube, dass dieses Buch – genauso, wie die Autorin dahinter – lesens- und erlebenswert ist.

Leseprobe aus dem Buch “ Stille “ :

Auszug aus Kapitel 26: Relativierung

Ich befand mich in einem Energiefeld, das von Beobachtung, Achtsamkeit

und ungewöhnlich umfassender Klarheit zeugte.“ Mario Mantese.

Das, was uns widerfahren ist, ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. So brutal, wie dieser SEK-Einsatz kann nichts anderes sein. Es gibt nichts vergleichbar Schlimmes. So tönt mein Verstand in den ersten Wochen nach dem Überfall. Es ist die Zeit, in welcher dieser unglaubliche Schmerz mein Leben bestimmt. Wie gerne würde ich in diesen Tagen mit anderen Menschen tauschen. Mit Menschen, welche vielleicht auch gerade eine schlimme Situation erfahren. Alles, wirklich alles scheint für mich leichter zu ertragen als unsere Situation.

In dieser Zeit empfinde ich in manchen Augenblicken sogar den Wunsch, ein ganz normales Leben zu führen. Ohne diese ständigen Überraschungen, welche ich normalerweise so sehr liebe. Ein Leben in scheinbarer Sicherheit und Beständigkeit. Genau so wie die Mehrzahl der Menschen es tut. In diesen Tagen sehne ich mich nach einem Leben, in welchem sich ein Tag an den nächsten reiht. Im Inhalt nicht zu unterschieden. Lediglich auf dem Kalender.

Morgens aufstehen, missmutig darüber, schon wieder zur Arbeitsstelle gehen zu müssen. Doch diese Regelmäßigkeit vermittelt mir immerhin das Gefühl von Sicherheit. Jeden Morgen zwischen vielen anderen ebenfalls missmutigen Menschen im Stau stehen. Vielleicht auch in der Bahn sitzend, um den Stau zu umgehen. Dort in müde Gesichter blicken. Beruhigt, dass offensichtlich auch die anderen nicht frei und glücklich sind. Sofort mit Beginn der oft ungeliebten Arbeit auf den Feierabend warten. Tag für Tag. Um dann all abendlich die Zeit des lange erwarteten Feierabends mit einer stumpfsinnigen Unterhaltung im Fernsehen tot zu schlagen. Um abschalten zu können, wie man so gerne sagt. Wir schalten also den Fernseher an und uns selbst gleichzeitig ab. Am Ende des Tages falle ich dann schließlich wie auch bereits all die Tage zuvor todmüde und kraftlos ins Bett. Auf eine seltsame Art und Weise bin ich beruhigt, dass auch heute alles so ist wie ich es von gestern bereits kenne.

Ein solches Leben lehne ich bislang kategorisch ab. Nicht mein Ding. Bisher empfinde ich ein solches Leben für mich als nicht lebenswert. Ein langsamer Tod. Überbrückt mit dem geduldigen Warten auf die Rente. Mit Warten auf zwei Wochen Urlaub im Jahr. Oder zumindest schon mal auf das Wochenende. Ein Leben, welches nur aus Warten zu bestehen scheint. Jetzt, in dem Gefühl, dass es schlimmer als bei mir nicht geht, bin ich bereit, mit jedem einzelnen dieser Menschen zu tauschen. Alles würde ich tun, um meinen eigenen Schmerz und auch meine eigene Ohnmacht nicht spüren zu müssen.

Und plötzlich, in diesem Jahr der Selbstfindung, treffe ich auf Ewald Schober. Auf seine Lebensschule. Eine Freundin schenkt mir eine kostenlose Teilnahme am Day of Change. Und in der Tat verändert dieser eine Tag meine Sichtweise auf die Situation endgültig. Mich selbst verändert er – mein Denken und vor allem meine Gefühle.

Ja, es stimmt. Ich habe mit meinen Gefühlen einen direkten Einfluss auf die stoffliche Welt. Schon so lange weiß ich das. Und doch löst auch dieser Tag etwas Tiefes in mir aus. Wie gut tut es mir, diese Erkenntnis von einem Menschen zu hören, welcher authentischer nicht sein kann!

Sein Satz „Der Kämpfer bekommt immer die Bühne des Kampfes“ berührt mich. Ja, ich habe mir stets selbst diese Bühne erschaffen. Immer wieder spiele ich das Theaterstück meines Lebens auf der Bühne des Kampfes. Und in diesem Augenblick treffe ich eine Entscheidung: Der Überfall in unserer Wohnung – ich selbst auf meinem Sessel sitzend und mit einer Waffe bedroht – soll definitiv der letzte Akt auf dieser Bühne gewesen sein. Der Vorhang dort ist an diesem Tag im November zum letzten Mal gefallen. Ganz sicher weiß ich das. Denn in diesem einen Jahr habe ich endlich begonnen mich zu fragen, wer ich in Wirklichkeit bin. Wer bin ich?

Ich bin eine Künstlerin. Eine Frau, welche in Liebe Neues erschafft. Ich bin die Liebe. Ab sofort öffnet sich ein neuer Vorhang – jetzt allerdings auf meiner Bühne der Liebe und der Leichtigkeit. Ich bin genau das, was ich entscheide zu sein. So einfach ist es. Das lehrt mich die Lebensschule. In einfachen Worten, stets mit einem verschmitzten Lächeln, steht er da und spricht zu uns. Ja, ich entscheide mich – wähle eine neue Option. Ich wähle endlich die Liebe und die Leichtigkeit.

Das ist seine Botschaft. Stets hast du mehrere Optionen. Wähle bewusst. Denn alles ist möglich. Du alleine bestimmst, wie du dich fühlst.

Noch etwas bewirkt meine Teilnahme in der Lebensschule: Das Geschehene relativiert sich. Mehr und mehr erkenne ich, wie diese Situation in meinem Leben kleiner und kleiner wird. Fast schon ist sie bedeutungslos. Und zwar deshalb, weil ich ihr keinerlei Bedeutung mehr gebe.

Ein paar für mich feige Menschen überfallen mich – in Überzahl und auch noch verkleidet – in meiner eigenen Wohnung. Und deshalb verliere ich viele Tage meines wundervollen Lebens? Verschenke so viele wertvolle Minuten des Glücks an den Zweifel und die Angst? Wegen etwas, das ich sowieso nicht mehr verändern kann. Wie unsinnig ist das denn? Ja, ich habe ein Recht auf Glück. Wie alle Menschen. Niemand, wirklich niemand vermag mir das zu nehmen.

Dieser eine Tag der Veränderung hält mir meine Eigenverantwortlichkeit vor Augen. Einzig ich bestimme mein Gefühl. Niemand sonst.

(…)

AUS DEM „NACHWORT“ IM BUCH:

Für mich sind einzig die Menschen, die den Mut haben, sich verletzlich zu zeigen, mit sich selbst vollkommen im Reinen. Denn sie haben keine Bedürfnisse mehr, welche im Außen befriedigt werden müssen. Sie benötigen keine Bewunderung und Anerkennung von anderen. Wirklich starke Menschen haben es nicht nötig, andere klein zu machen, um sich selbst groß zu fühlen. Das weiß ich jetzt ganz sicher.

Ich vergebe mir selbst. Ich vergebe mir dafür, so lange meine Großartigkeit nicht erkannt zu haben. Dafür, die Bedürfnisse anderer über meine eigenen Bedürfnisse gestellt zu haben. Für mich ist das der letzte und zugleich größte Schritt auf meinem Weg zu meinem wirklichen Sein. Es geht nicht um die anderen. Es geht einzig um mich. Alle sind wir eins. Vergebe ich mir, dann vergebe ich allen. Liebe ich mich selbst, erst dann kann ich auch jeden anderen Menschen lieben.

So heilen wir unsere Erde. Und somit alle unsere Brüder und Schwestern.

 

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