Die Schubladen in Deinem Kopf

by Silvia Meerbothe
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Kennst Du das? Du siehst jemanden, möglicherweise sieht er in Deinen Augen schludrig aus. Das Hemd hängt aus der Hose, wildes Haar, vielleicht von Kopf bis Fuß tätowiert. „Der ist bestimmt abgestürzt“, denkt jetzt der eine – und „kriminell“ der andere. „Interessante Person“, denkt womöglich der Dritte. Und dann ist das für uns auch so. Das ist dann unsere Wahrheit. Wir hinterfragen sie nicht. Woher kommen diese „Schubladen“, in die wir die Leute stecken, ohne darüber nachzusinnen, ob das überhaupt stimmt?

Die Schubladen in Deinem Kopf

stammen nicht aus dem Jetzt. Sie sind ein Produkt aus unserer Vergangenheit. Als Du auf die Welt gekommen bist, warst Du bildlich gesehen ein großes, leeres Regal. Keine Bretter. Keine Schubfächer. Einfach ein leerer Rahmen. Quadratisch. Praktisch. Gut. Mit der Zeit hast Du dann, vor allem zu Beginn, alles ungefiltert aufgenommen, was um Dich herum, sowie mit Dir geschah und, ein sehr wichtiger Aspekt, was die Erwachsenen um Dich herum von sich gaben. Und für jede neue Geschichte legten wir eine Schublade an. So nehmen wir Meinungen, beziehungsweise Urteile, ja sogar Verhaltensweisen an, die gar nicht unsere eigenen sind.

Wir urteilen, ohne zu hinterfragen

Weil wir uns Geschichten erzählen. Geschichten aus unseren Schubladen. Wie oft hast Du schon ein Verhalten von Menschen verurteilt, ohne zu wissen, was seine wahre Intention ist? Wie oft hast Du wohl schon verpasst, wundervolle Menschen kennen zu lernen, weil Du sie nach ihrem Aussehen, oder nach ihrem Gebaren beurteilt hast. Das kann man immer so weiter flechten. Wir verurteilen, was ein Mensch tut oder eben nicht tut, weil WIR uns die Geschichte dazu erzählen. Geschichten aus Schubladen der Vergangenheit. Und, wir erinnern uns – diese Schubladen müssen nicht mal unsere eigenen Erfahrungen und Meinungen beinhalten.

Ein Beispiel dafür, wie wir urteilen

Ich lade Dich ein, zu einer kleinen Übung. Achte bitte auf Deine Gedanken und Dein Gefühl:

Darf ich Dir Egbert vorstellen?

Egbert ist 56 Jahre alt und Beamter. Egbert fährt jedes Jahr fünf Wochen mit seiner Mutti nach Borkum in den Urlaub.

Na…? Was für ein Bild hast Du gerade von Egbert und wie ist Dein Gefühl.

Es geht weiter:

Egbert hat ein eigenes Haus, eine wunderschöne Ehefrau und drei Kinder. Weil seine Mutter Asthma hat und im Rollstuhl sitzt, fährt die ganze Familie immer fünf Wochen zusammen nach Borkum, in den Sommerurlaub – weil seine Mutter sonst nie vor die Tür kommt und sie in der Luft von Borkum auch mal ohne Sauerstoff Gerät auskommt. Außerdem sind die Kinder immer mega happy, wenn sie so viel Zeit mit Omi verbringen können.

Na….? Wie geht es Dir jetzt? Was sagt Dein Gefühl?

Wir gleichen alles mit unseren Schubladen ab

Ich ahne, was eben in Dir abgelaufen ist. Und so geht es ganz vielen Menschen. Mir ging es auch so. Ich konnte damals richtig fühlen, wie sich knarrend die Lade öffnete, um Egbert sofort da rein zu stecken. Du kannst den Beamten Egbert auch austauschen gegen die Chef Sekretärin Lola, die immer mit dem Chef übers Wochenende weg ist und ein dickes Auto fährt. Dass sie eine hoch effiziente Networkerin ist, die Menschen den Weg in die Freiheit zeigt, wissen wir nicht. Für den ein oder anderen hat sie den Job nicht wegen ihrer Kompetenz…

Wie ein Kind

Beim Day of Change habe ich viel gelernt. Unter anderem wie das so läuft, mit den Schubladen. Vieles davon war nicht wirklich neu. Doch hier wurde es so plastisch und praktisch umsetzbar vermittelt, dass ich es endlich schaffe, meine Schubladen zu erkennen – und eben nicht auf die alten Klamotten zuzugreifen, mit denen unser Unterbewusstsein nun mal alles abgleicht. Ich habe gelernt, dass das Unterbewusstsein 0,2 – 2 Sekunden schneller ist, als unser Bewusstsein. Das sind zwei Sekunden, die es lohnt inne zu halten und zu fragen: „Stimmt das überhaupt, was ich mir gerade erzähle?“ Das gilt für Situationen, genauso, wie für Menschen. Vieles ist nicht so, wie es für uns im ersten Augenblick scheint. Wenn wir es schaffen, unsere Schubladen auszuhebeln, sind wir wieder wie ein Kind. Wir gehen offen durch unser Leben, mit staunenden Augen und voller Neugier, was das Leben uns schenken will.

Wenn Du jetzt auch mal die Grenzen in Deinem Kopf, bestehend aus 1001 Schubladen, los lassen willst, lade ich Dich ein, einen Day of Change zu besuchen.

Wer bist Du?

 

 

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