Bring doch mal endlich was zu Ende!

by Britta Wisniewski
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Bestimme Dein Sein

Während ich bei meinem ersten Kaffee sitze und den neuen Tag auf mich wirken lasse, darauf warte, dass der letzte Schlaf aus meinen Gliedern weicht, lasse ich einfach meinen Gedanken freien Lauf. Ich denke an ein paar WhatsApp Chats aus den letzten Tagen mit meinen Schülerkollegen bei der der LCC. Und habe plötzlich Ewald Schobers Stimme im Kopf.

„Na? Wer bist Du heute?“

Jeden Tag neu und anders

Noch vor wenigen Wochen hätte ich auf diese Frage zumindest leicht gereizt reagiert! Stellte sie in meiner Welt doch genau mich in Frage! Denn ich, das war die Zuverlässige, der Kümmerer, die, auf die man sich verlassen konnte. Diejenige, die die Probleme löste, ihre – und die anderer Menschen. Die ehrliche, die zutiefst gekränkt war, wenn man diese Ehrlichkeit in Zweifel zog und die bodenständige, die keinen Raum für Träume und Luftschlösser hatte, weil sie damit beschäftigt war, Dinge zum Gelingen zu bringen, die häufig einfach nicht gelingen wollten. Warum sollte ich heute anders sein? Was sollte mir das bringen?

„Das ist die Wahrheit – außer, sie ist es nicht!“

Anfangs wehrte ich mich gegen Ewalds Aufgabe ganz schön. Fand Argumente, genau diese „Seinsbestimmung“ nicht vorzunehmen. Von „Das klappt ja eh nicht!“ über „Und was soll das bringen?“ bis hin zu „Ich darf mir mein Leben nicht schön lügen!“ war alles dabei. Heute weiß ich, dass ich damit nur eins tat: Meiner Angst Argumente geben. Ihr lest richtig. Denn zum einen hatte ich keine Ahnung, wie das mit der Seinsbestimmung funktionieren sollte – vor allem nicht, woran ich verifizieren sollte, ob das geklappt hätte. Und ich hatte Angst vor dem, was dann passieren würde … was, wenn mein Leben wirklich aus den Fugen ginge, Sicherheit haben und geben war doch wichtig für mich!

Für Dich – Nicht für die anderen!

Ich weiß gar nicht, was den „Durchbruch“  brachte. Und ich glaube auch nicht, dass das wichtig ist. Viel wichtiger ist, was passierte, als ich meinen Widerstand aufgab. „Einmal nicht nachgedacht – zack, glücklich!“ Und dieses Gefühl habe ich einfach gelebt, ausgekostet, und mit meiner Umwelt geteilt. Gut gelaunte Menschen verbreiten gute Laune! Und als im Chat die Frage nach der Seinsbestimmung kam, fiel es mir auf einmal ganz leicht, meine Gefühle in Worte zu fassen. Ich brauchte doch einfach nur aufschreiben, was ich fühlte! Im Gegensatz zu den Texten der anderen Chatter, die von A bis Z in der Lage schienen, ihre glorreiche Zukunft vorauszuplanen, las sich mein Text zwar ziemlich unspektakulär, aber das störte mich zum ersten Mal überhaupt nicht. Das war ich – und es fühlte sich gut an. Und all die anderen … die waren mir zum ersten Mal egal!

 Die Perspektive wechseln – weil Du es kannst!

Gestern dann – die gleiche Frage noch einmal gestellt, fand sich in meinem Inneren eine andere Antwort. Die wiederum in meiner Welt ebenso unspektakulär war, wie die Antworten der anderen ausführlich. Die sich aber ebenso gut und stimmig anfühlte wie die Antwort wenige Tage vorher. Und die genauso richtig war. Die das gute Gefühl, die gute Laune, in der ich mich schon den ganzen Tag befand, nur noch steigerte. Und ich begann zu begreifen, dass das eine das andere ergänzte – nicht ausschloss! Aber warum hatte ich mir dann bisher damit so schwer getan?

Glaub, was DU willst – und das nur, wenn es Dich glücklich macht!

Lange Jahrzehnte habe ich damit zugebracht, andere Menschen zu fragen, wer ich bin! Oder auch: Mir meinen Wert an ihren Antworten zu messen! Mein höchstes Bestreben war es, geliebt und anerkannt zu werden – und weil das auf monetärem Weg nicht funktionierte, suchte und fand ich andere Wege. Und heute morgen dann die Erkenntnis: Ich war immer ich selbst – und ich war es dennoch nicht. Denn ich war es nie, weil ich es wollte – sondern um andere damit glücklich zu machen! Andere – nicht mich selbst!

Bleiben, wie ich bin – und mich doch verändern!

Eine meiner am meisten unterdrückten Eigenschaften ist meine Vielseitigkeit. Ich habe sie nie gelebt, denn wann immer ich das versuchte, stieß ich an die Grenzen meiner Umwelt. „Du kannst doch nicht schon wieder den Job wechseln, Du bist doch erst drei Monate da!“ „Wie? Schon wieder ein neues Hobby? Und was ist mit dem ganzen Material, was Du letztens noch gekauft hast? Wann verarbeitest Du DAS?“ „Wieso hast Du Dir jetzt Hunde zugelegt? Ich dachte, Du hast Katzen?“ „Kann man sich bei Dir auch mal auf einen Musikstil einstellen? Heute Hardrock, morgen Klassik – kannst Du Dich auch mal entscheiden?“ „Du solltest langsam wirklich mal Deinen Stil finden! Und wo wir schon dabei sind: Westernlook ist out und Gothik ist nicht alltagstauglich … nur mal so als Tipp!“

Während ich nachdenke, stoße ich auf hunderte solcher gut gemeinter Kommentare meiner Umwelt – und auch auf andere „Beredungen“ die über die Jahre einen Menschen formten. Einen Menschen, wie er zuverlässiger, berechenbarer – und langweiliger nicht sein konnte! Der funktionierte, statt zu leben. Einen Menschen, der viele seiner Gedanken – und Ideen – für sich behielt, weil er Angst vor den Reaktionen seiner Umwelt hatte. Und der mit den Jahren immer farbloser und stiller wurde. Der sich regelrecht in seinen Kokon einsponn und sich weigerte „sein Licht leuchten zu lassen“.

Sich selbst hinterfragen

Durch die regelmäßige Teilnahme an den DOCs – vor allem aber durch meine Teilnahme am Vision Game habe ich begonnen, „das Konstrukt Britta“ zu hinterfragen. Meine „angeblichen“ Eigenschaften zu prüfen, zu beleuchten, zu bewerten und zu sortieren. Und dadurch, dass ich Teil von Ewald Schobers Vision bin, auch wieder gelernt, eigene Visionen zu zu lassen. Und zu leben. Frei nach dem Motto:“Was immer in der Welt entstand – es begann mit einem Gedanken!“

Anfangs war es das gute Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Mit anderen Menschen das gleiche Ziel zu verfolgen. Aber ich durfte auch feststellen, dass genau dieser Umstand wieder etwas in mir auslöste, denn oft passten die Wege der anderen nicht für mich. Und langsam ersetzte die Erkenntnis die erste Verzweiflung darüber, denn: Was ist, wenn es genau DARUM geht? Was ist, wenn es genau ICH bin, die als Puzzleteil das Bild abschließt – und zwar so, wie ich BIN und nicht, wie ich glaube, sein zu MÜSSEN?

Eine Entscheidung treffen

Ich darf SEIN. Mit all meinen Facetten – meiner immer noch jugendlichen Neugier, all meinen Wissenslücken. Aber auch mit meinem unbändigen Tatendrang und meinem ständig vorhandenen Wunsch nach Veränderung. Ich darf unsortiert sein und dennoch alles in Ordnung bringen. Ich darf zuverlässig sein – wenn ich das WILL. Und ich darf unzuverlässig sein. Weil ich es mir leisten kann. Ich darf gut sein. Weil ich es kann! Ich darf heute das gut finden und morgen etwas anderes. Und ich darf sogar einfach mal „grundlos schlechte Laune haben“  – wobei sich mir dann direkt die Frage stellt, ob ich es mir leisten kann, mich zu verfühlen! Und spätestens dann kann mich mich gegen mein eigenes Grinsen nicht mehr wehren.

Auf eigenen Wegen zum Glück

Mir ist klar, dass mein Weg jetzt gerade erst wirklich beginnt. Alles andere, vor allem das letzte halbe Jahr, war nur die Vorbereitung. War die „Grundschule“ in der ich das Leben lesen und schreiben lernte. In der ich begriff, dass wirklich zu leben mehr ist, als einfach nur jeden Morgen aufzustehen, arbeiten zu gehen, Pflichten zu erfüllen und Dinge zu tun, weil ich es muss! Und wenn mich jetzt jemand fragt: „Aber was wirst Du denn jetzt werden?“ dann muss ich ihm sagen: „Besser – weil gut bin ich schon!“ „Ja und beruflich? Und finanziell? Und persönlich?“ Ganz ehrlich? Ich habe KEINE Ahnung!

Aber ich habe das Wissen darum, dass das gar nicht wichtig ist! Denn weil ich so viel unterschiedliche Dinge kann, gibt es viele unterschiedliche Wege, die mir das Leben präsentieren kann. Und weil mein Leben gut für mich sorgt, kann ich getrost abwarten, mit welcher neuen Idee es mir demnächst um die Ecke kommt, was ich alles noch sein kann. Denn Mutter, Freundin, Autorin, Stationsleitung, Tierliebhaber, Kollegin, Mitschülerin etc. etc. etc. BIN ich ja schon! Und endlich genieße ich das auch!

Es gibt kein Ende!

Damit ist der „Triggersatz von früher“ dann vom Tisch! Es gibt nichts, was ich „durchhalten“ oder „zu Ende“ bringen müsste, nur, weil ich es einmal angefangen habe! Ich kann und darf mich täglich neu definieren! Und wenn ich einen Tag lang mal „die faule Sau“ sein will, die andere für sich arbeiten lässt, dann darf ich sogar das! Denn meine einzige Aufgabe im Leben – ist leben! Solange mein Leben dauert!

Und Du?

Was denkst Du jetzt? Irgendwas zwischen „Völliger Schwachsinn!“ und „Boah, das möchte ich auch mal können!“? Egal, was Du denkst, wenn Dir jetzt gerade das Gefühl kommt, Du könntest in Deinem Leben auch mal wieder was verändern, dann kann ich Dir nur raten: TU ES EINFACH! Und wenn Du dabei Hilfe brauchst oder Gleichgesinnte suchst, dann komm einfach auf den nächsten Day of Change und lerne viele nette Menschen kennen, die genau wissen, wie das mit dem Leben so geht!

Herzlichst

Britta Wisniewski

 

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